SOLINGER MORGENPOST, 3. April 1995
KULTUR
Aquarium aus Konservensounds

Musikalisches Projekt auf Schloß Burg fürchterlich gescheitert

Es sieht so aus, als ob mitten im Rittersaal von Schluß Burg ein Raumschiff gelandet wäre. Und die "Besatzung" - vier programmierende Musiker oder musikalische Programmierer - ähnelt tatsächlich ein wenig dem Team von Raumschiff Enterprise, wie sie hinter der aus Keyboards und Midi-Anlagen verkabelten musikalischen "Steuerungszentrale" mit konzentriertem Blick einen Sequenzer anlaufen läßt.
"Die musikalische Geschichte von Schloß Burg an der Wupper anhand der Motive im Rittersaal" heißt der umständliche Titel nicht etwa für einen Vortrag eines Geschichtsvereins, sondern für ein gewagtes und letztlich gescheitertes musikalisches Projekt von Volker Rapps Konzeption "Demo Art", das am Samstag zweimal vor jeweils rund 200 Zuhörern über die Bühne ging.
Er und seine drei Mitmusiker trugen ein wenig zu dick auf: Sie stellten sich keinen höheren musikalischen Anspruch, als die an den Wandmalereien des Rittersaals gemalten Ereignisse der fast tausendjährigen Geschichte von Schloß Burg mit den Mitteln moderner elektronischer Musik in eine neunzigminütigen Darbietung zu vertonen. Es sollte ein zeitenübergreifendes Gesamtkunstwerk werden. Doch was herauskam, blieb der didaktisch interessante Versuch, Geschichte multimedial lebendig zu vermitteln, was sich äußerst spannend für Schüler der Primarstufe erweisen könnte. Denn Winfried Trenkler, der um seine Stelle als Moderator der Elektronik-Musik-Radiosendung "Schwingungen" bangt, erzählte - dabei besonders die blutigen Passagen auskostend - in kleinen Häppchen "Histörchen", die einem wilden Ritterroman glichen. Positiv zu vermerken ist, daß ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der CD "Schloß Burg An der Wupper", die auf der Grundlage des Konzertmitschnitts produziert wird und in drei Wochen erscheinen soll, dem Schloßverein zugute kommt.

Belanglos aneinandergereiht

Langweilig blieben demgegenüber die weitgehend zusammenhangslos aneinandergereihten Stücke aus der Feder Volker Rapps und Ron Boots (Keyboards). Auch der Zusammenhang zwischen Bild, Wort und Ton ergab sich nur fragmentarisch. Die ermüdenden, häufig auftretenden Passagen mit esoterischen Sphärenklängen erzeugen Bewußtseinszustände zum Ausklinken aus dem materiellen Sein, weniger ein vergeistigtes Musikerlebnis. Als Zuhörer fühlt man sich in ein Aquarium aus Konservensounds versetzt. Ansonsten bot das Quartett Filmmusik mit altbekannten Effekten: Eine marschartige Ouvertüre mit Fanfaren zur Gründung von Schloß Burg, einen Zapfenstreich für die Gefallenen von Walstatt, ein bißchen "Spiel mir das Lied vom Tod" bei der Kinderverlobung.

Dröhnende Lautstärke

Dramatik entsteht bei "Die Schlacht von Worringen" weniger durch kompositorisches Know-how als durch dröhnende Lautstärke. Aber richtig peinlich wird es, sobald sich die Musiker nicht mehr auf die perfektionistische und leidenschaftslose Sicherheit ihrer abgespulten Programme verlassen und Passagen live spielen. Da reibt sich die Intonation der Trompete mit dem elektronischen Klangkörper, da greift die Gitarre daneben, da verhaspelt sich der Profi-Moderator mehrmals. In dem Elektronik-Wirrwarr weiß man im Grunde überhaupt nicht, welche der gesampelten Klänge -live oder nicht-live sind. Nur zum Schluß, als die Musiker von Demo Art bei der Zugabe das "Bergische Heimatlied" anstimmten, standen alle "Triebwerke" des "Raumschiffs" still, alles war ungeschminkt live, und die schiefen Töne schallten weit über die Höhen der Wupper hinaus.
THOMAS LANGER