Es sieht so aus, als ob mitten im Rittersaal von Schluß Burg ein
Raumschiff gelandet wäre. Und die "Besatzung" - vier programmierende
Musiker oder musikalische Programmierer - ähnelt tatsächlich
ein wenig dem Team von Raumschiff Enterprise, wie sie hinter der aus Keyboards
und Midi-Anlagen verkabelten musikalischen "Steuerungszentrale" mit konzentriertem
Blick einen Sequenzer anlaufen läßt.
"Die musikalische Geschichte von Schloß Burg an der Wupper anhand
der Motive im Rittersaal" heißt der umständliche Titel nicht
etwa für einen Vortrag eines Geschichtsvereins, sondern für ein
gewagtes und letztlich gescheitertes musikalisches Projekt von Volker Rapps
Konzeption "Demo Art", das am Samstag zweimal vor jeweils rund 200 Zuhörern
über die Bühne ging.
Er und seine drei Mitmusiker trugen ein wenig zu dick auf: Sie stellten
sich keinen höheren musikalischen Anspruch, als die an den Wandmalereien
des Rittersaals gemalten Ereignisse der fast tausendjährigen Geschichte
von Schloß Burg mit den Mitteln moderner elektronischer Musik in
eine neunzigminütigen Darbietung zu vertonen. Es sollte ein zeitenübergreifendes
Gesamtkunstwerk werden. Doch was herauskam, blieb der didaktisch interessante
Versuch, Geschichte multimedial lebendig zu vermitteln, was sich äußerst
spannend für Schüler der Primarstufe erweisen könnte. Denn
Winfried Trenkler, der um seine Stelle als Moderator der Elektronik-Musik-Radiosendung
"Schwingungen" bangt, erzählte - dabei besonders die blutigen Passagen
auskostend - in kleinen Häppchen "Histörchen", die einem wilden
Ritterroman glichen. Positiv zu vermerken ist, daß ein Teil der Einnahmen
aus dem Verkauf der CD "Schloß Burg An der Wupper", die auf der Grundlage
des Konzertmitschnitts produziert wird und in drei Wochen erscheinen soll,
dem Schloßverein zugute kommt.
Belanglos aneinandergereiht
Langweilig blieben demgegenüber die weitgehend zusammenhangslos aneinandergereihten Stücke aus der Feder Volker Rapps und Ron Boots (Keyboards). Auch der Zusammenhang zwischen Bild, Wort und Ton ergab sich nur fragmentarisch. Die ermüdenden, häufig auftretenden Passagen mit esoterischen Sphärenklängen erzeugen Bewußtseinszustände zum Ausklinken aus dem materiellen Sein, weniger ein vergeistigtes Musikerlebnis. Als Zuhörer fühlt man sich in ein Aquarium aus Konservensounds versetzt. Ansonsten bot das Quartett Filmmusik mit altbekannten Effekten: Eine marschartige Ouvertüre mit Fanfaren zur Gründung von Schloß Burg, einen Zapfenstreich für die Gefallenen von Walstatt, ein bißchen "Spiel mir das Lied vom Tod" bei der Kinderverlobung.
Dröhnende Lautstärke
Dramatik entsteht bei "Die Schlacht von Worringen" weniger durch kompositorisches
Know-how als durch dröhnende Lautstärke. Aber richtig peinlich
wird es, sobald sich die Musiker nicht mehr auf die perfektionistische
und leidenschaftslose Sicherheit ihrer abgespulten Programme verlassen
und Passagen live spielen. Da reibt sich die Intonation der Trompete mit
dem elektronischen Klangkörper, da greift die Gitarre daneben, da
verhaspelt sich der Profi-Moderator mehrmals. In dem Elektronik-Wirrwarr
weiß man im Grunde überhaupt nicht, welche der gesampelten Klänge
-live oder nicht-live sind. Nur zum Schluß, als die Musiker von Demo
Art bei der Zugabe das "Bergische Heimatlied" anstimmten, standen alle
"Triebwerke" des "Raumschiffs" still, alles war ungeschminkt live, und
die schiefen Töne schallten weit über die Höhen der Wupper
hinaus.
THOMAS LANGER